Wichtiger Warntag muss warten

Der ursprünglich für September 2021 geplante bundesweite Warntag wird verschoben. Das haben die Innenminister von Bund und Ländern vor kurzem entschieden. Der Grund dafür liegt im Ablauf des ersten Warntags, der im vergangenen Jahr stattgefunden, und der Defizite deutlich aufgezeigt hatte. So muss das Zusammenspiel der analogen und digitalen Warnkanäle wie Warn-Apps, Radio, Sirenen und Lautsprecherwagen dringend optimiert werden, hieß es. Daran will man nun verstärkt arbeiten, damit der Warntag im kommenden Jahr wieder durchgeführt werden kann.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) baut deswegen bereits eine "umfassende Testlandschaft" auf, die bereits im ersten Quartal 2022 stehen soll. Außerdem werden die Warnsysteme weiter ausgebaut und zusätzliche Warnsysteme erschlossen.

Bürgermeister Christian Vogel informiert im Interview mit Nina Daebel über Grundsätzliches zum Warntag und erklärt, warum Sirenen noch nicht aus der Mode gekommen sind.

Im vergangenen Jahr gab es erstmals einen bundesweiten Warntag - in einigen Kommunen lief nicht alles wie geplant. Wie war das in Nürnberg?

Der Warntag im Jahre 2020 war in Nürnberg ein großer Erfolg. Aufgrund der damals noch nicht vollständigen Anbindung – mit der digitalen Funktechnik – der neu errichteten Sirenen wurden diese manuell von der Integrierten Leitstelle (ILS) ausgelöst. Alle bisher errichteten Sirenen lösten aus, gaben den Warnton von sich und konnten somit gut wahrgenommen werden. Aus Anrufen, die an unser Bürgertelefon gingen, erhielten wir positive Rückmeldungen von Bürgern. Von einigen Bürgern im nördlichen Bereich von Nürnberg kamen allerdings Einwände, dass „nichts gehört wurde“. Uns war dies klar, da gerade in diesem Bereich im September 2020 noch keine Sirenen errichtet waren. Aktuell ist dieser Bereich fast flächendeckend mit Sirenen ausgestattet und wir können beim nächsten Warntag die Bürger aus diesem Bereich ebenfalls zur Probe warnen. Zum Ende des Jahres 2021 wird Nürnberg fast vollständig mit der neuen, elektronischen Sirenentechnik, inkl. der zentralen Auslösung durch die ILS, gewarnt werden können. Ein großer Schritt zum Schutz der Bevölkerung in Nürnberg.

Warum braucht man im 21. Jahrhundert noch, bzw. wieder Sirenen zur Warnung der Bevölkerung?

Die Sirenen sind nötig, um möglichst schnell die gesamte Bevölkerung vor einer Bedrohung zu warnen. Durch den Klimawandel haben wir immer mehr Extremwettererscheinungen, Großbrände können gefährliche Schadstoffwolken verursachen oder es kann zu Gefahrgutunfällen oder nuklearen Störfällen kommen. Wir warnen die Bevölkerung bei großräumigen Evakuierungen bei Fliegerbomben, Terrorlagen und Störungen der kritischen Infrastruktur durch den Einsatz der Sirenen.

Was hat die Stadt Nürnberg für die Warnung der Bevölkerung getan?

Früher war der Bund für den Katastrophenschutz zuständig, heute ist es die Berufsfeuerwehr der Stadt Nürnberg. In der Folge gab es in Nürnberg zeitweise kein flächendeckendes System zur Warnung der Bevölkerung im Stadtgebiet mehr. Dieses Problem haben wir mit verschiedenen Mitteln angepackt. Die Stadt hat in einem ersten Schritt 2013 die Warn-App KATWARN eingeführt. Parallel hat die Feuerwehr 2016 ein Konzept zur Warnung der Bevölkerung mit Sirenen erarbeitet, verbunden mit Investitionen von rund 2,8 Millionen Euro. Rund die Hälfte der Sirenen befindet sich auf Schulgebäuden, wir haben aber auch einige auf Feuerwehrgerätehäusern, Krankenhäusern, Wohnhäusern und freistehend auf Masten.

Was passiert am bundesweiten Warntag?

Kurzgefasst könnte man sagen, dass die Katastrophenschutzbehörden am bundesweiten Warntag ihre Konzepte und Warnsysteme (zum Beispiel die Sirenen) testen. Er soll die Akzeptanz und das Wissen, um die Warnung der Bevölkerung in Notlagen zu erhöhen. Die Bürger sollen sich mit der Warnung in Notlagen auskennen und wissen, was nach einer Warnung zu tun ist. Der Warntag soll jährlich am jeweils zweiten Donnerstag im September durchgeführt werden. Um 11:00 Uhr werden zentral gesteuert alle sogenannten Warnmittel ausgelöst. Parallel hierzu lösen die teilnehmenden Landkreise, Städte und Gemeinden im Freistaat Bayern zeitgleich die in ihrem Zuständigkeitsbereich befindlichen Warnmittel manuell aus. Außerdem waren die Rundfunksender aufgefordert, in den Nachrichten und im Verkehrswarndienst auf die Probealarmierungen in weiten Teilen Bayerns hinzuweisen. 

Wie sollten wir uns verhalten, wenn die Sirene zu hören ist?

Die Feuerwehr Nürnberg hat einen Flyer mit den Hinweisen zur Warnung der Bevölkerung erstellt, der alle Hinweise enthält. Der Flyer ist auf der Internetseite der Feuerwehr Nürnberg eingestellt. Grundsätzlich gilt:

  1. Warnen Sie Nachbarn und unterstützen Sie hilfsbedürftige Menschen.
  2. Bringen Sie sich in Sicherheit.
  3. Holen Sie weitere Informationen ein.

Bitte am Warntag, wenn die Sirenen ertönen, nicht die Integrierte Leitstelle (112) oder Einsatzzentrale der Polizei (110) anrufen. Dadurch belasten Sie die Notrufleitungen. Für Fragen ist ein Informationstelefon geschaltet: Die Telefonnummer wird in einer Pressemitteilung rechtzeitig veröffentlicht. Für Fragen rund um die Warnung der Bevölkerung stehen natürlich ganzjährig zu den normalen Bürozeiten bei der Feuerwehr im Sachgebiet Bevölkerungsschutz Kollegen unter der Telefonnummer 231-6011 zur Verfügung.

Welche Warnsignale gibt es?

Die verschiedenen Warntöne sind in einer Verordnung des Freistaats Bayern geregelt. Der Warnton dauert eine Minute und hat einen auf- und abschwellenden Ton. Die Alarmierung der Freiwilligen Feuerwehr erfolgt durch einen andauernden Sirenenton, der dreimal in Folge 12 Sekunden mit Zwischenpausen ertönt.

Wie bekommt man weitere Informationen nach einer Aktivierung des Warntones?

Informationen erhalten Sie über die Warn-Apps Katwarn oder NINA, über das Radio, über die Stadtseite www.nuernberg.de und durch Durchsagen von Polizei oder Feuerwehr aus Lautsprecherfahrzeugen. Wie gesagt: Bitte für Fragen nicht den Notruf wählen, damit blockiert man wichtige Notrufe.

Wie wird eine Warnung bei Stromausfall durchgeführt?

Alle Sirenen werden grundsätzlich über einen Akku gespeist, somit können bei Stromausfall noch eine Vielzahl an Auslösung durchgeführt werden. Es macht Sinn, sich auch selbst ein einfaches Radio mit Batterie vorzuhalten, im Notfall funktioniert auch noch das Radio des Autos.

Was werden Sie am Warntag machen? Sind Sie irgendwo vor Ort, um zu schauen, wie es läuft oder verfolgen Sie alles digital vom Büro aus?

Wenn alles glattgeht, sollte ich den Alarm ja von überall aus in der Stadt mitbekommen! Tatsächlich war ich am Warntag 2020 auf einer der fünf Feuerwachen, um gemeinsam mit der Dienststellenleitung zu informieren, und die Presse auf dem Laufenden zu halten. Ich denke, dass wir dies beim nächsten Mal wieder so gestalten werden. Ich möchte gerne von der Feuerwache 4 – dort ist eine Sirene installiert – meinen Beitrag zur Information der Bevölkerung leisten und höre gleichzeitig den Warnton der Sirene direkt im Hof der Feuerwache. 

Als erste Stadt Bayerns führte Nürnberg am 24. Juni 2013 das kommunale Warn- und Informationssystem „Katwarn“ ein. Seit diesem Zeitpunkt erhalten alle angemeldeten Bürgerinnen und Bürger behördliche Warnungen vor Gefahrensituationen über eine Smartphone-App. Die Warnungen gibt es sowohl für iPhones als auch für Android-Smartphones. Alternativ steht das System auch per Short-Message-Service (SMS) und per E-Mail zur Verfügung. Die Anmeldung bei dem System ist kostenlos.
In Gefahrensituationen, wie etwa bei der Entschärfung von Blindgängern, Industrieunfällen oder extremen Unwettern, ist es wichtig, betroffene Menschen gezielt über die Gefahr zu informieren. Alle „Katwarn“-Warnungen sind postleitzahlengenau und enthalten wichtige Verhaltenshinweise.
(Quelle: www.nuernberg.de)

Text: Nina Daebel

Hans-Peter Reißmann (links), Abteilungsleiter Bevölkerungsschutz der Feuerwehr Nürnberg, und „Feuerwehr-Bürgermeister“ Christian Vogel beim Warntag 2020.

Foto: Stadt Nürnberg

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