Der Gänsemännchenbrunnen in Nürnberg

Wenn Sie das nächste Mal mit Ihrem Besuch zur Burg hochlaufen, dann gehen Sie statt links am Rathaus doch mal rechts über den Platz vor dem Historischen Rathaussaal. Eine kleine Kostbarkeit erwartet Sie dort, über die sich auch Ihre Gäste freuen werden.

Die ganze Geschichte fing damit an, dass vor fast 500 Jahren im Knoblauchsland – das ist das Gemüseanbaugebiet nördlich der Stadt – ein Bauer lebte, der Bier und Wein mehr liebte als die Arbeit und seine Tiere. Bald schon blieb ihm nichts weiter von seinem Bauernhof als zwei Gänse, die auf dem Hof spazierten und nach Körnern suchten. „Ach, ihr seid meine letzte Rettung! Euch nehme ich mit nach Nürnberg auf den Gänsemarkt, und von Eurem Erlös gönn ich mir noch einen schönen Schoppen Wein.“ So dachte der Bauer, als er die zwei Gänse sah, schnappte sie und lief mit ihnen unterm Arm Richtung Nürnberg.

Es war ein heißer Tag. Ein sehr heißer Tag. Die Arme wurden dem Bauern lahm und der Hals trocken. Müde und durstig machte er an einem Baum Rast. „Was würde ich geben nur um ein Schlückchen Wasser“, sagte der Bauer vor sich hin. Doch weit und breit war kein Graben, der auch nur ein bisschen Wasser geführt hätte. Nur die Gänse hatten gehört, wonach dem Bauern war. Schlau wie Gänse sind, fingen sie an zu schnattern, und der Bauer hörte, wie sie zu ihm sagten, er solle sie wieder nach Hause bringen, sie würden ihm dafür gleich Wasser spenden, damit er in der sengenden Hitze nicht verdurste. Der Bauer wusste nicht recht, wie ihm geschah, aber er sagte den Gänsen zu, dass er sie nicht verkaufen würde, sondern wieder heimbringe.

Wie abgemacht, rissen die Gänse ihre Schnäbel auf und heraus kam das reinste Wasser für den Bauern. Glücklich wollte sich der Bauer schon auf den Heimweg begeben, doch ein Wanderer, der alles gesehen hatte, hielt ihn auf und fragte ihn, was es mit den Gänsen auf sich hatte. Der Wanderer meinte zu der Geschichte nur, dass der Bauer schon noch auf dem Markt landen würde. Aber der Bauer ging heim, pflegte seine Gänse, arbeitete fleißig und trank nur noch Wasser.

Der Wanderer hielt Wort. Hans Peisser hieß er und war ein Schüler von Veit Stoß. Zurück in Nürnberg machte er einen Entwurf und ein Modell von dem Bauern mit seinen Gänsen für einen Brunnen auf dem Gänsemarkt. Der Auftrag für den Brunnen kam vom Rat der Stadt Nürnberg, gegossen hat den Brunnen um 1550 Pankratz Labenwolf. Pankratz Labenwolfs Schwiegervater war Peter Vischer, der zusammen mit seinen Söhnen den Höhepunkt des Nürnberger Bronzeguss schuf, das Sebaldusgrab.

Hans Peisser und Pankratz Labenwolf schufen viele Werke für die Stadt Nürnberg, aber auch in Linz, Trient, Prag oder Kärnten waren sie tätig und bekannt.

Das Gussmodell für den Brunnen findet sich übrigens noch bei den Museen der Stadt Nürnberg. Es ist eines der ältesten erhaltenen Gussmodelle aus Holz überhaupt.

Der Brunnen stand ursprünglich am Gänsemarkt, das ist hinter der Frauenkirche und heißt heute Obstmarkt.

Als Goethe in Nürnberg war, war er so angetan von dem Brunnen, dass er sofort den gleichen haben wollte. Seither gibt es unseren Bauern aus dem Knoblauchsland als Entenmann (so viel zu Goethes Kenntnissen zu Gänsen und Enten...) auch in Weimar. Aber auch in Hohenschwangau ist er zu finden und in Luzern und eine weitere Replik ist wohl noch in der Wilhelm-Spaeth-Straße in Nürnberg.

Also, wenn Sie bei unserem Gänsemännchenbrunnen vorbeikommen und das Wasser plätschert, dann gönnen Sie sich ruhig ein Glas Wasser bevor Sie den Berg zur Burg erklimmen und stoßen Sie dabei auf das Wohl der Knoblauchsländer Bauern an, die hier auch mal ein Denkmal bekommen haben.

Text: Erika Wirth

Fotos:  Stadt Nürnberg/Christine Dierenbach

Ein Gänsemännchenbrunnen steht auch im Burggarten Hohenschwangau.

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