Das Tanzende Bauernpaar

Wer hart arbeitet, der darf auch ordentlich feiern! Das weiß man auch in Nürnberg schon sehr, sehr lange. Geschuftet wurde hier immer viel. Nicht nur in der Stadt, sondern auch draußen auf dem Land. Zum Beispiel im Knoblauchsland. Dort ist es noch heute so, dass viel gearbeitet und im Sommer an jedem Wochenende dafür auch ausgelassen eine Kirchweih gefeiert wird, bei der sich die jungen Burschen und Mädchen genauso wie die älteren Semester zum Singen und Tanzen einfinden. Und wie da getanzt wird!

Ein großartiges Beispiel dafür ist die Darstellung des Tanzenden Bauernpaars auf dem Trödelmarkt. Ja, auf dem ersten Blick schauen die zwei etwas klobig aus. Aber schauen Sie mal genauer hin, wie er sein Bein angewinkelt in die Luft streckt, einen Arm dazu hochhebt und seine Tanzpartnerin festhält. Die hält wiederum Geldbeutel und Schlüssel in der Hand – eine muss halt auf Hab und Gut aufpassen. Rücken an Rücken drehen sich die beiden voller Elan im Kreis. Schwindlig kann einem schon beim Anschauen werden.

Gut, dass die zwei an so relativ unauffälliger Stelle stehen: Da kann man sich zu zweit hinstellen und die Bewegungen nachmachen. Gar nicht einfach! Trauen Sie sich ruhig mal. Es braucht schon eine gewisse Standhaftigkeit und Übung und vielleicht auch ein Seidl Bier vorab. Wenn gefeiert wird, dann ordentlich. Nicht umsonst sagt man in Franken „mir genga erschd ham, wenn die Musigandn ihr Geign aufhänga“ – wir gehen erst heim, wenn die Musikanten ihre Geigen aufhängen. Also, wenn die Band ihre Instrumente abbaut – irgendwann spät in der Nacht. Und dann ist die Feier noch lange nicht zu Ende! Die Musikanten werden mitgenommen und eingekehrt wird bei einem Landwirt in der Küche. Kein Problem, wenn die Straßenlampen vielleicht schon aus sind: irgendjemand wird einem schon heimleuchten, und die Musikanten sind bekannt fürs „Heimgeigen“.

Das leisteten sich früher nur die reicheren Bauern. Bös’ kann allerdings das Erwachen am nächsten Morgen sein, der Schädel brummt, Musik mag man nicht mehr hören, und auch in den Spiegel schaut man vielleicht nicht gern. Begegnungen in Nürnberg wurden schon mal kommentiert mit „Der schaut aus wie a Bäggla Resi in der Sunna“. Resi war die Schmelzmargarine, die in Nürnberg hergestellt wurde. Und wie so ein Päckchen Margarine aussieht, das zu lange in der Sonne steht, kann sich jeder vorstellen: nicht gut. 

Waldemar Grizmek hat 1980 die Tänzer erschaffen für den Platz am Plobenhof. Gut, dass die zwei so beweglich sind. 1988 mussten sie nämlich ihren ersten Tanzboden verlassen und an ihr heutiges Domizil umziehen. Kurt Klutentretter hatte der Stadt „Das Narrenschiff“ geschenkt mit der Auflage, dass es am Plobenhof stehen muss.

2015 hat das Tanzpaar Nachahmer gefunden. Allerdings in Kaiserslautern. Dort steht nämlich seither auch eine Ausgabe des Tanzenden Bauernpaars. Die Anregung für die Plastik hatte Waldemar Grizmek bei Albrecht Dürer gefunden, der sich 1514 ins Knoblauchsland begab und dort ein tanzendes Paar in seiner Tracht festgehalten hat. Ob der Albrecht an dem Tag auch mitgefeiert hat? Wir wissen es nicht.

Wir hoffen sehr, dass wir im neuen Jahr 2021 wieder so ausgelassen sein dürfen, wie das Tanzende Bauernpaar.

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