Hygieia, Noris und Fortuna – drei Damen der Königstraße

Schnell läuft man vom Bahnhof aus durch die Königstraße. Den Blick gerichtet auf die Schaufenster, das Ziel vor Augen. Doch oft lohnt es sich in Nürnberg, den Blick auch mal in die Höhe zu schicken. Denn oben an den Häusern stehen die Zeugen vergangener Zeit, die uns aber auch heute noch etwas sagen wollen.

Zum Beispiel Fortuna, Noris und Hygieia. Fortuna und Noris stehen an der Fassade des wiedererrichteten Kaufhauses Ostermayr gegenüber von Galeria Kaufhof. Das 19. Jahrhundert war die große Zeit der Kaufhäuser und das zeitweilige Ende der Märkte.

So fand sich der Christkindlesmarkt plötzlich auf der Insel Schütt wieder, weil sich niemand mehr für ihn interessierte, die Kunden lieber in die trockenen und warmen Kaufhäuser gingen. Das Kaufhaus Ostermayr war um 1900 eines der führenden Häuser Süddeutschlands. Deshalb wurde auch ein repräsentatives Haus gebraucht und gebaut. Drei Giebel hatte das Haus und jeden zierte eine Figur von Philipp Kittler: Merkur, Fortuna und Noris.

Die Fassade war zu Ende des 2. Weltkrieges einsturzgefährdet und wurde gesprengt. Die drei Figuren fielen herab. Merkur bekam der Sturz gar nicht gut. Seine Einzelteile wurden lange Zeit von der Familie Ostermayr in Schachteln verwahrt. Die Glücksgöttin Fortuna wurde hergerichtet, und die Noris stand erst mal lange im Rondell zur Sparkasse hin. Damals sah sie so aus, als ob sie ihr Wappen wie ein Brett vor dem Kopf halten würde. Doch 1988 kam der Moment für Fortuna und Noris: Sie durften wieder an die Hauswand in die Höhe. Zwei Fenster wurden dafür zugemauert, Sockel angebracht, auf denen sie nun stehen und von unten bewundert werden können.

Wenn wir hochschauen, dann sehen wir, wie Fortuna uns mit ihrer linken Hand zuwinkt und in der rechten auf Hüfthöhe ihr Füllhorn des Glücks hält. Ein dünnes Tuch umspielt ihre Hüften, und auf dem Kopf drückt ein Blumenkranz Freude und Überfluss aus.

Die Noris, die Personifikation der Stadt Nürnberg, trägt eine Mauerkrone auf ihrem Kopf als Erkennungszeichen. Fest steht sie auf ihrem Sockel und hält mit erhobenen Armen über ihren Kopf eine Scheibe mit dem Frauenkopfadler. Auch die Noris ist nur in ein dünnes Kleid gehüllt. Grazil zieren die beiden Damen ihr Kaufhaus, drücken Selbstbewusstsein und Tradition aus.

Mehr auf das Wesentliche konzentriert ist Hygieia ein paar Häuser weiter an der Ecke der Mohren-Apotheke. Hygieia ist eine Göttin der Gesundheit und gilt als Schutzpatronin der Apotheker. Mediziner schwören den Eid des Hippokrates „… bei Apollo und Asklepios und bei Hygieia...“. Von ihrem Namen leitet sich auch das Wort Hygiene ab. Lebensgroß und nackt steht sie hier, mit kräftigen Hüften, breiten Schultern, eine Frau im mittleren Alter.

Früher, als es noch das alte Gebäude der Mohren-Apotheke gab, war hier eine Marienfigur. 1987 hat Professor Wilhelm Uhlig aus Bronze die Figur der Hygieia geschaffen für die neu errichtete Apotheke. Uhlig zählt zu den wichtigen Vertretern figürlicher Plastik in Deutschland.

Werfen Sie ruhig mal ein Auge auf eine der drei Damen oder auch gerne auf alle drei. Sie werden es Ihnen nicht übelnehmen und Sie gehen vielleicht etwas beschwingter ihren Einkäufen entgegen.

Text: Erika Wirth
Fotos: Jörg Dorn
Quellen: Masa, Elke: Freiplastiken in Nürnberg. Neustadt/Aisch, o. J.

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