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Ein LebensRaum, der Gemeinschaft schafft

Noch sind Wohnungen für ältere Singles und Paare im Wohnprojekt an der Reinerzer Straße frei

Mitbewohner gesucht! Nicht für eine WG, sondern für ein gemeinschaftliches Wohnprojekt: Im „LebensRaum“ werden Singles und Paare zwischen Anfang 50 und Mitte 70 in einem Haus leben. Jede der zehn Parteien hat ihre eigene Wohnung, doch gehören gemeinsame Unternehmungen und gegenseitige Unterstützung zum aktiven Alltag. Der Einzug in den Holz-Hybrid-Neubau in der Reinerzer Straße 54a ist für September 2026 geplant. Was ist besonders an diesem Wohnprojekt? Das berichtet Dieter Barth, der das Projekt LebensRaum auf Seiten der wbg betreut.

Herr Barth, im LebensRaum sollen bewusst Menschen jenseits der Lebensmitte einziehen. Ist das eine gute Idee?
Die Gruppe hat sich auf dieses Alterssegment geeinigt. Dann kann eine bestimmte Harmonie unter den Bewohnern entstehen, die ähnliche Lebensumstände – die Kinder sind aus dem Haus, das Ende des Berufslebens ist in Sicht oder hat schon begonnen – und ähnliche Interessen teilen. Eine Spanne von rund 20 Jahren zwischen Ältesten und Jüngsten, das verträgt sich gut. Wir haben das auch bei unseren „Olgas“ so. 

Bei den „Olgas“ leben elf Seniorinnen unter einem Dach, vor 25 Jahren zogen die ersten ein. Welche Erfahrungen hat die wbg gemacht?
Als die wbg mit dem Olga-Projekt angefangen hat, waren wir Trendsetter. Auch hier hat jede der Frauen ihre eigene Wohnung, die zwölfte Wohnung wird gemeinschaftlich genutzt und ist Versammlungsort für die regelmäßigen Treffen und Geburtstagsfeiern. Es sind nach wie vor alle begeistert von der Idee der Gemeinschaft. Im Lauf der Jahre sind die Damen älter  geworden, es hat auch Wechsel gegeben. Mit diesen Veränderungen haben sich Grüppchen gebildet, manche gehen in die Oper und andere zusammen ins Schwimmbad. Wichtig ist aber: wenn jemand krank  ist, wird geschaut, und sich gekümmert, so dass man nicht allein auf sich angewiesen ist.

Was ist die wichtigste Voraussetzung dafür, dass das im LebensRaum ähnlich gut klappt?
Wie bei allen Wohnprojekten kommt es darauf an, dass die Menschen zusammenpassen. Es gibt hier die Kerngruppe, die eine genaue Vorstellung hat – und ich bin überzeugt, das wird funktionieren. Aber ich warne vor falschen Vorstellungen: In einem Wohnprojekt klappt auch nicht alles, und Pflege kann eine solche Hausgemeinschaft nicht leisten.

Wer sucht denn aus, wer in den LebensRaum ziehen darf?
Schon 2018 war das Ehepaar Funk mit der Idee einer Hausgemeinschaft auf die wbg zugekommen. Wir haben verschiedene Optionen geprüft und realisieren jetzt den Neubau an der Reinerzer Straße. Rechtlich ist es so, dass wir das ganze Haus an die Gruppe als Gesellschaft Bürgerlichen Rechts vermieten. Sie hat sich Leitsätze gegeben und schließt mit den Mitbewohnern einen internen Vertrag. Sie entscheidet auch, wer einzieht. Im Moment sind das Familie Funk und die Kerngruppe. Sie sind sehr aktiv und werben für das gemeinschaftliche Wohnen. Im Prinzip ersetzt eine solche Hausgemeinschaft das, was früher Familie war. Ein guter Ansatz, finde ich, denn schon jetzt haben wir in Nürnberg 50 Prozent Single-Haushalte, und die Vereinsamung schreitet voran. 

Das Haus steht in Langwasser. Ein Nachteil?
Es gibt leider nach wie vor Menschen, die die Qualität des Stadtteils verkennen. Dabei ist der Stadtteil sehr grün, es gibt eine gute Anbindung an den Nahverkehr und Einkaufsmöglichkeiten vor Ort. In der Reinerzer Straße haben wir zudem einen Gebäudetyp mit modularen Grundrissen entwickelt: Vier Geschosse, ohne Keller, dafür ebenerdig und mit Aufzug. Das Baumaterial ist, bis auf die Treppe und den Aufzugsschacht, aus Holz und garantiert ein gutes Raumklima. Es gibt 1-Zimmer-Wohnungen mit 40 Quadratmetern und 3-Zimmer-Wohnungen mit rund 75 Quadratmetern, jede ist mit Fußbodenheizung und Parkett ausgestattet, besitzt einen Balkon und ein Bad mit bodengleicher Dusche. Alle Wohnungen sind barrierefrei und daher gut geeignet, um darin älter zu werden. Dieser hohe Standard kostet, vor allem wegen gestiegener Baukosten, den Mieter 14,19 Euro pro Quadratmeter.

Die wbg unterstützt das Projekt. Welchen Vorteil hat sie selbst davon?
Wenn sich ein Haus von Anfang an mit seinen Bewohnern entwickelt, entsteht Identität. Die Mieter haben das Gefühl, „das ist unser Haus“, und sie schauen darauf wie auf Eigentum. Im Garten, der ein Gemeinschaftsgarten werden soll, haben wir die Abtrennungen der Parzellen weggelassen. Alle werden sich darum kümmern. Oder beispielsweise die Mülltrennung: Wenn kompostiert wird, kann man beim Bioabfall sparen. Es wird auch Dachwasser gesammelt.

Eine Wohnung soll auch als Begegnungsraum für die Gemeinschaft dienen?
Das Haus hat elf Wohnungen. Wenn eine der drei Ein-Zimmer-Wohnungen für Gemeinschaftsaktivitäten und Treffen oder als Gästeunterkunft genutzt wird, muss die Miete auf die Restwohnfläche umgelegt werden. Ob das so wird, entscheidet die Gemeinschaft selbst. Es gibt schräg gegenüber auch einen SIGENA-Nachbarschaftstreff, der genutzt werden könnte. Das wäre die kostengünstigere Variante.

Kontakt:
Ruth Funk-Hoga und Karl-Heinz Funk
Telefon: 09151 / 90 53 853
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
www.lebensraum-50-plus.de

Kurzporträts: Wer macht mit?

Ruth Funk-Hoga und Karl-Heinz Funk

Ruth Funk-Hoga und Karl-Heinz Funk sind die Initiatoren des LebensRaums. Seit 18 Jahren wohnen sie in Hersbruck in einer Eigentumswohnung. „Aber wir sind inzwischen 69 und 71 Jahre alt und man muss damit rechnen, dass etwas ist“, sagt Ruth Funk-Hoga. Auf Sicht schwinden die eigenen Kräfte, ihre Kinder haben eigene Leben. Den Funks war klar: „Alleine leben ist auch nichts“. So erkundeten sie vor acht Jahren Modelle fürs gemeinschaftliche Wohnen und machten sich auf die Suche nach einem Bauträger, den sie in der wbg gefunden haben. Ihr Wunsch ist, dass der Lebensabschnitt zwischen Rente und Altersheim von einer aktiven Gemeinschaft und gegenseitiger Unterstützung im LebensRaum geprägt sein wird. Schon jetzt beraten sich die Mitglieder der Kerngruppe nicht nur regelmäßig und rühren die Werbetrommel für ihr Wohnprojekt, sondern gehen beispielsweise auch Wandern. Den Einzug – spätestens im September – bereiten die Funks bereits vor: „Wir haben schon entrümpelt“, sagt Ruth Funk-Hoga. 

Dorothea Eichhorn

Dorothea Eichhorn wird noch einige Jahre berufstätig sein. Die 63-Jährige, die eine Leitungsfunktion in der Sozialberatung innehat, liebäugelt schon länger mit einem Wohnprojekt: „Ich kümmere mich jetzt darum, denn ich will – solange ich mich noch einfinden kann und fit und klar im Kopf bin – die Gemeinschaft mitgestalten.“ Sie lebt allein und freut sich darauf, dass es nicht nur freundliche Nachbarn gibt, sondern dass sie künftig in den LebensRaum „heimkommt und da ist jemand, der gehört ein bisschen zu mir“, dass man gelegentlich ein Glas Wein miteinander trinkt oder zusammen kocht, dass sich Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensläufen und Fähigkeiten einbringen. Schon jetzt hat ein künftiger Mitbewohner mit seinem Hänger einen Tisch für sie transportiert. Allerdings: Eichhorn muss sich heftig verkleinern, sie zieht aus einer Drei-Zimmer-Wohnung in der Nürnberger Südstadt in 40 Quadratmeter. Und, fürchtet sie sich nicht vor lauter Alten? „Nein, da ist niemand, der sich vergräbt. Das sind alle fitte, interessierte Menschen, die sich sozial engagieren.“

Krapp und Pölloth

„Wir sind die Küken“, sagt Karin Krapp lächelnd. Die 58-Jährige, die im Service einer IT-Softwarefirma arbeitet, und ihr Mann Klaus Pölloth, 57 und gelernter Tischler, können sich „gut vorstellen, in Gemeinschaft zu wohnen“. Ihre 4-Zimmer-Wohnung ist seit dem Auszug der erwachsenen Kinder zu groß, dazu dritter Stock ohne Aufzug – auf lange Sicht würden sie ohnehin etwas anderes suchen müssen. Beim Richtfest der Reinerzer Straße haben sie schon in „ihrer“ Wohnung gestanden. „Das hat uns total gut gefallen, viel Holz und nur das Treppenhaus aus Beton.“ Außen herum viel Grün und alte Bäume, die U-Bahn wie das FrankenCenter sind nur ein paar Fußminuten entfernt. Kurzum: „Es gibt alles, was man so braucht“. Die beiden freuen sich auf Mitbewohner, die unkompliziert und kompromissbereit sind, die das Grundverständnis teilen und sich einbringen wollen in die Hausgemeinschaft. Wenn sich dazu noch Sympathie gesellt und vielleicht jemand Lust hat, an Krapps Homeoffice-Tagen in der Mittagspause einen kleinen Spaziergang zu machen… das wäre einfach perfekt.