„Bauen, bauen, bauen.“

Als Ulrich Maly im Jahr 2002 zum Oberbürgermeister von Nürnberg gewählt wurde, fielen ihm automatisch zahlreiche weitere Ämter zu. So wurde er unter anderem Aufsichtsratsvorsitzender der wbg-Unternehmensgruppe. In dieser Funktion hat er gemeinsam mit den Geschäftsführern zahlreiche Projekte begleitet. Manches Mal setzte er sich beim offiziellen Startschuss zu einem neuen Bauvorhaben selbst in den Bagger und nahm symbolisch den ersten Erdschub vor. Oder er griff zum Spaten für den ersten Spatenstich. Nina Daebel sprach mit Ulrich Maly über seine Zeit als wbg-Aufsichtsratsvorsitzender, die künftigen Herausforderungen für die wbg und seine Zukunft jenseits aller politischen Verpflichtungen.


Was genau sind Ihre Aufgaben als Aufsichtsratsvorsitzender gewesen?

Ulrich Maly: Strategische Unternehmensziele vorgeben, die Umsetzung durch den Vorstand kritisch-wohlwollend begleiten und wohnungspolitische Grundsatzentscheidungen treffen. Ach ja, in meiner Zeit wurden auch die beiden Geschäftsführer neu berufen: ein sehr gutes Team!

Sie sind fast zwei Jahrzehnte lang Aufsichtsratsvorsitzender der wbg gewesen. Wie hat sich das Unternehmen während dieser Zeit verändert?

Die wbg ist gewachsen, hat sich weiterentwickelt und schreitet voran im Kerngeschäft „Bezahlbares Wohnen“ ebenso wie in der WBG KOMMUNAL, von der Kitas, Schulen und derzeit auch eine neue große Sporthalle realisiert werden.

Wie steht die wbg aktuell da?

Super stabil mit genügend positiven Ergebnissen, die alle wieder in den Wohnungsbau re-investiert werden, bei gleichzeitig deutlich unter dem Durchschnitt liegenden Mietpreisen.

Welches von der wbg gesteuerte Bauprojekt war aus Ihrer Sicht eines der bedeutendsten für die Stadt bzw. welches hat sich Ihnen besonders eingeprägt?

Da gibt es nicht das eine Projekt, das alle überstrahlt. Durch die aktuellen und frisch fertig gestellten wie in Johannis, GroßreuthGrün, SchönLebenPark, Parkwohnanlage West, Nordostbahnhof-Siedlung, Europan wird die städtebauliche Vielfalt deutlich. Spannend wird sicher die Neubebauung auf dem alten Branntweinmonopolareal an der Sulzbacher Straße – die wbg kann Wohnen, wo auch immer.

Welche Bedeutung hat die wbg für die Stadt Nürnberg?

Wenn wir die Menschen nach den wichtigsten Themen befragen, steht derzeit „Bezahlbares Wohnen“ auf Platz 1. Noch Fragen?

Welche Herausforderungen stehen aktuell an und welchen wird sich die wbg in Zukunft stellen müssen?

Bauen, bauen, bauen. Hauptschwierigkeiten sind die Verfügbarkeit und der Preis von Grundstücken, die stark steigenden Baukosten und – allerdings mit Abstand – die Komplexität und Dauer der Verfahren.

Es gab eine Zeit, in der sind Wohnungsbauunternehmen verkauft worden, um Löcher im Haushalt zu stopfen. Nürnberg hat das nicht getan. Warum hatte man sich dagegen entschieden, und wie beurteilen Sie diese Entscheidung rückblickend?

Wohnen ist ein „hybrides“ Gut, einerseits ein dem Markt von Angebot und Nachfrage unterworfenes, andererseits ein existenzielles Gut, Teil der Daseinsvorsorge, eine Art „Grundrecht“ der Menschen. Unser Job liegt im zweiten Bereich.

Mit dem Erfahrungsschatz, den Sie heute haben: Was würden Sie Ihrem Nachfolger als „guten Rat“ für das Amt des wbg-Aufsichtsratsvorsitzenden mit auf den Weg geben?

Nix. Ratschläge vom Vorgänger an den Nachfolger sind selten Rat, doch meistens Schläge ...

Werden Sie der wbg in einer anderen Funktion auch in Zukunft zur Seite stehen?

Zunächst mal enden alle meine dienstlichen Aufsichtsratsämter mit dem Ausscheiden aus dem Amt, natürlich bleibe ich im „Friends of Nuremberg-Club“ Mitglied.

Gab es Ziele bezüglich der wbg, die Sie hatten und unbedingt erreichen wollten, als Sie das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden übernommen haben? Welche?

Bauen, bauen, bauen, und das in guter städtebaulicher Qualität. Das wird erreicht.

Aus aktuellem Anlass: Ist absehbar, ob die Corona-Krise auch wirtschaftliche Folgen auf die wbg haben wird?

Wenn alle Verantwortungsträger empfehlen, wir sollen zu Hause bleiben, dann braucht es dafür zu allererst eines: ein Zuhause. Insofern sehe ich das Geschäft der wbg grundsätzlich nicht gefährdet. Natürlich wird das Herunterfahren des täglichen Lebens auch hier Folgen haben, sich manches Projekt ggf. verzögern, aber mehr sehe ich im Moment nicht.

Was meinen Sie: Welche drei Eigenschaften zeichnen die wbg als Arbeitgeber aus?

Das ist für mich von außen schwer, genau zu qualifizieren, ich habe ja noch nie bei der wbg gearbeitet. Grundsätzlich sind wir bei der wbg familienfreundlich, sozial, bilden gut aus und lieben sichere Jobs.

Und welche drei Eigenschaften schätzen Mieter Ihrer Meinung nach an der wbg?

Verlässlichkeit, Problemlösungskompetenz und Hilfe auch in individuell schwierigen Lagen.

Es gibt ein Leben nach der Politik, heißt es. Wie wird das bei Ihnen aussehen?

Der eigentliche Plan war, mit einer Kur und ein paar Reisen aus der Alltagshektik des Oberbürgermeisters langsam runterzukommen und dann irgendwann die häusliche To-Do-Liste (Keller, Dachboden, Garten) abzuarbeiten. Wegen der allgemeinen Reiselage derzeit wird sich die Reihenfolge leider umkehren.  

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