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Die Sheriffs im Quartier

Die Objektbetreuer sind täglich in den Wohnanlagen der wbg unterwegs und sorgen dafür, dass alles ordentlich und sauber bleibt. Sie kümmern sich auch um Höfe, Wege oder Grünflächen und haben stets ein wachsames Auge auf das Quartier.

Der Tag eines Objektbetreuers beginnt am Computer mit dem Checken der E-Mails. Hier laufen die Meldungen aus dem ServiceCenter zusammen. Im Hof steht ein Auto quer, vorm Haus ist Müll abgeladen worden oder eine Bewohnerin macht sich Sorgen um die Nachbarin, die sie seit einer Woche nicht gesehen hat. Zum Beispiel.

Thomas Eggensdorf arbeitet im Einzugsgebiet des KundenCenters SüdWest in der Rothenburger Straße. Mit der Routine von 27 Jahren Berufserfahrung als Objektbetreuer priorisiert er die anstehenden Aufgaben: Sind Menschen in Gefahr? Was muss jetzt, was kann warten? Dann geht er nach draußen, mitten hinein ins Wohngebiet. In der Regel ist er allein. „Eine frühere Bewohnerin hat immer gerufen ‚der Sheriff kommt‘, wenn sie mich gesehen hat“, erzählt er. „Das finde ich gar nicht mal schlecht, denn es zeigt, wir werden wahrgenommen – auch als Respektsperson.“

Und es geht ja viel um Kontrolle. Wie ist der Zustand der Gebäude? Sind Türen und Eingänge funktionsfähig, wie sehen die Außenanlagen aus? Und immer wieder: Müll, Müll, Müll. Wilde Ablagerungen von Abfall, Möbeln und Waschmaschinen, ja ganze Küchen und Einrichtungen gehören zur Tagesordnung. „Das ist eines der größten und teuersten Probleme, die wir haben“, sagt er. Ganz wichtig ist, dass herumliegender Müll so schnell wie möglich beseitigt wird. Also beauftragen die Objektbetreuer die zuständigen Reinigungsdienste und werfen Plastiktüten kurzerhand selbst in die Container. Bestenfalls macht Thomas Eggensdorf gleich noch den Verursacher ausfindig: „Wir werden im Umgang mit schwierigen Menschen geschult. Aber das musst Du selbst lernen, dass Du einen erst beruhigst, bevor man vernünftig reden kann.“ Kein Problem für ihn.

Auch sein Kollege Jens Günther kommt gut zurecht, im vergangenen Winter hat ihm eine Mieterin sogar einen Schoko-Weihnachtsmann geschenkt. Ein Vertrauensbeweis. Und die Grundlage dafür, dass er gut mit den Leuten zusammenarbeiten kann. „Wir können sie ja nicht einfach stehenlassen – und ich kann viele Probleme direkt lösen, die sonst über die KundenCenter gehen würden.“ Wobei Jens Günther ein Sonderfall ist. Er ist der erste Objektbetreuer in einem „Sonderwohngebiet“. Sein Quartier in Gibitzenhof ist kleiner, umfasst „nur“ rund 1300 Wohneinheiten, die der „normalen“ Objektbetreuer dagegen über 2500.

Dafür soll Jens Günther ständig präsent sein und hat daher ein eigenes Büro in der Diana-Wohnanlage. In dem denkmalgeschützten Quartier treffen viele Faktoren aufeinander, die auch das Wohnen bisweilen herausfordernder gestalten. Historische Bausubstanz, dicht belegte Wohnungen, Sprachbarrieren, Familien und Alleinerziehende mit wenig Geld. Weil sich nicht alle an die Regeln halten, kommt es zu Reibereien, mutwilligen Zerstörungen und immer wieder Müll.

Immer wieder staunt Jens Günther über die vielen Einkaufswagen in den Höfen oder über den Bewohner, der 15 Euro-Paletten auf den Dachboden geschleppt hat. „Wir versuchen, durch stärkere Präsenz in den Sonderwohngebieten die Ordnung aufrechtzuhalten“, sagt Jens Günther. Das gelingt: Der Vandalismus sei zurückgegangen, die Beliebtheit der Diana-Wohnanlage steigt wieder.

Das mag auch daran liegen, wie sich der Objektbetreuer einsetzt. Zudem hat Jens Günther, das ist so gewollt, immer Werkzeug dabei und kann mal schnell eine defekte Haustür wieder gängig machen oder eine Glühbirne austauschen. Größere Reparaturen werden gleich an die N-ERGIE Immobilien GmbH (NIM) als zuständigen Dienstleister gemeldet.

Das Schönste am Beruf? „Uns macht der Umgang mit Menschen Spaß“, sagt Jens Günther, der vor sechs Jahren noch als CNC-Schleifer bei Siemens gearbeitet hat. Außerdem: „Kein Tag läuft nach Schema F!“ – „Und Du kannst Dir den Arbeitstag selbst gestalten“, ergänzt Thomas Eggensdorf. Dabei ist die Liste ihrer „To Dos“ lang und reicht von der regelmäßigen Begehung der Objekte vom Keller bis zum Dachboden über die Kontrolle der Reinigungsfirmen, Gartenpflegefirmen und des Schneeräumdienstes bis hin zum Auf- und Absperren des Gartenwassers.

Dabei ändern sich die Aufgaben fortwährend. Bei den halbjährlichen Treffen aller Objektbetreuer werden neue und gemeinsame Themen identifiziert. Das Stromablesen zum Beispiel. Viele sind von der N-ERGIE zu anderen Stromanbietern gewechselt und müssen ihre Zählerstände selbst ablesen. Die Objektbetreuer mussten deshalb immer öfter die Zählerräume auf- und zuschließen, was zeitaufwendig war. Die bessere Lösung ist jedoch, dass die Räume inzwischen mit Haustürschlössern versehen sind und jede Mietpartei sich nun selbst Zugang verschaffen kann. Damit habe man gute Erfahrungen gemacht, bilanzieren die Objektbetreuer.

Auch das Modell der „Objektbetreuer Sonderwohngebiete“ hat sich zur Erfolgsgeschichte gemausert. Inzwischen gibt es auch Baugebiet P in Langwasser rund um Euckenweg, Carossaweg und Ricarda-Huch-Straße weitere Unterstützung. Das Gebiet umfasst rund 560 Verwaltungseinheiten, daher ist die Funktion dort in Teilzeit angelegt. Auch hier geht es darum, durch mehr Präsenz im Quartier für mehr Ordnung, Sauberkeit und Lebensqualität im wbg-Quartier zu sorgen.

Text und Fotos: Gabriele Koenig