Wenn die Hauswand zur Leinwand wird
Interview mit den Graffitikünstlern Pablo Fontagnier alias Hombre SUK und Tom Penkwitz
Ein überdimensionales Wandbild mit zwei Club-Fans – einem Erwachsenen und einem Kind – ziert seit Kurzem die Fassade eines Wohnhauses der wbg in der Velburger Straße. Entstanden ist es im Rahmen des 125-jährigen Jubiläums des 1. FC Nürnberg. Wir haben mit den beiden Künstlern gesprochen, die das Werk gestaltet haben.
Wie war es für euch, ein riesiges Kunstwerk mitten in einem Nürnberger Wohnviertel zu gestalten?
Tom: Für uns war das eine große Ehre – und das gleich in doppelter Hinsicht: als Künstler und als Menschen mit Verbindung zur Stadt. Gerade für ein so besonderes Jubiläum wie 125 Jahre FCN ein Bild mitten im Stadtbild hinterlassen zu dürfen, ist nicht selbstverständlich. Es war bewegend zu sehen, wie viel Aufmerksamkeit und Wertschätzung das Projekt im Viertel bekommen hat.
Was steckt hinter dem Motiv – warum gerade diese beiden Figuren?
Pablo: Uns war wichtig, kein klassisches Porträt von Vereinslegenden zu gestalten, sondern sinnbildlich zu zeigen, was der Club für die Menschen bedeutet. Der FCN ist generationsübergreifend – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Herkunft. Die Figuren stehen für die Verbundenheit, die viele Fans schon in jungen Jahren spüren und ein Leben lang behalten.
Gab es besondere Vorgaben bezüglich des Motivs oder konntet ihr eurer Kreativität freien Lauf lassen?
Tom: Dieter Barth und Ralf Schekira von der wbg haben uns von Anfang an großes Vertrauen geschenkt. Trotz der auffälligen Farbigkeit, die nicht alltäglich ist, durften wir unsere Vision frei umsetzen. Das war nicht selbstverständlich – und zeigt, wie viel Mut zur Gestaltung hier vorhanden ist. Diese Freiheit war ein großer Antrieb für uns.
Wie läuft so ein großes Wandprojekt eigentlich ab – vom Entwurf bis zur letzten Sprühdose?
Pablo: Am Anfang steht die Idee, danach folgen viele Wochen der Organisation – vom Gerüst über Grundierung bis hin zur Lieferung der Farbdosen. Auch Hebebühnen, Sicherheitsabsprachen und Witterung spielen eine Rolle. Wenn das alles steht, geht’s ans Eingemachte. Nach dem ersten Strich ging dann alles ziemlich schnell – in weniger als 10 Tagen war die Wand komplett bemalt, aber der Weg dorthin war ein echtes Gemeinschaftsprojekt.
Gab es besondere Herausforderungen an dieser Fassade?
Tom: Neben dem organisatorischen Aufwand war es vor allem die verspätete Lieferung der Farbdosen – wir mussten am ersten Projekttag spontan nach Heidelberg fahren, um sie direkt beim Lieferanten abzuholen. Auch die Abstimmung mit allen Beteiligten braucht Fingerspitzengefühl, aber das war es definitiv wert. Herausforderungen gehören bei einem Projekt dieser Größe einfach dazu – und machen es im Rückblick nur noch besonderer.
Wie reagieren Anwohnerinnen und Anwohner, wenn ihr mitten in ihrem Wohnumfeld sprayt?
Pablo: Meistens mit Neugier und Interesse! Viele bleiben stehen, stellen Fragen oder bringen uns sogar mal etwas zu essen oder zu trinken vorbei. Das freut uns natürlich sehr – weil es zeigt, wie sehr Kunst im Alltag berühren kann. Vor allem, wenn man merkt, dass das Kunstwerk als etwas Gemeinsames gesehen wird.
Ist Nürnberg ein guter Ort für Graffiti-Kunst? Was gefällt euch an der Stadt?
Tom: Absolut. Nürnberg hat nicht nur kulturell viel zu bieten, sondern entwickelt sich auch immer mehr in Richtung urbaner Kunst. Man spürt, dass sich da was bewegt – und wir wollen Teil dieser Entwicklung sein. Die Mischung aus Geschichte, Ecken und Kanten und wachsender Offenheit für Kunst macht die Stadt zu einem spannenden Ort für unser Schaffen.
Wie erlebt ihr generell die Akzeptanz von Graffiti in Nürnberg?
Pablo: Graffiti hat es manchmal schwer – es haftet oft noch das Image von Vandalismus an. Aber wenn man zeigt, dass man etwas Schönes und Sinnstiftendes schafft – wie hier – öffnet sich auch das Herz der Stadt. Mit Projekten wie diesem wollen wir dazu beitragen, den Blick auf Graffiti zu verändern und die Kunstform sichtbarer zu machen.
Was verbindet euch mit Nürnberg und dem FCN?
Tom: Heimatgefühl, Freundschaft, Leidenschaft. Und das nicht nur als Künstler – sondern auch als Fans. Der FCN steht für viele emotionale Momente und ist für viele in der Region ein fester Bestandteil ihres Lebens – das verbindet uns.
Würdet ihr ähnliche Kooperationen wieder umsetzen?
Beide: Jederzeit. Solche Projekte zeigen, was möglich ist, wenn Vertrauen, Mut und Miteinander zusammenkommen. Und wenn Kunst so viel bewegen darf, ist das für uns immer wieder eine Herzensangelegenheit.
Interview und Fotos: Julian Wachtler



















