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Sie planen. Sie entscheiden. Sie bauen:
Projektleiterinnen bei der wbg Nürnberg

Die Geschlechterverteilung in der Architekturbranche zeigt ein deutliches Gefälle: Obwohl Frauen seit Jahren mehr als die Hälfte der Architekturstudierenden ausmachen, sind sie im Berufsalltag mit rund 35 Prozent in der Minderheit – auch bei der wbg Nürnberg Gruppe. Zwar sind sie im Berufseinstieg noch stark vertreten, im weiteren Karriereverlauf nimmt der Anteil aber immer weiter ab. Besonders in Führungspositionen sind Frauen deutlich unterrepräsentiert.

Umso wichtiger sind sichtbare Architektinnen und Projektleiterinnen, die die Zukunft der Branche aktiv mitgestalten. Bei der wbg gibt es dafür viele Beispiele: Antonia Baum, Evgeniya Ruseva und Xiaohui Mann erzählen von ihren Aufgaben, welche Fähigkeiten für den Beruf wichtig sind und was sie begeistert.

Antonia Baum:
„Hier wird man von Anfang an wertgeschätzt“

Antonia Baum arbeitet seit fünf Jahren in der Projektplanung bei der wbg Nürnberg im Bereich Architektur und Städtebau. Zu Beginn begleitete sie die Neubauten in der Reinerzer Straße, entwickelte Details, unterstützte die Ausführung und übernahm später selbst die Projektleitung. Heute betreut sie zusammen mit einem Kollegen den Neubau von vier Mehrfamilienhäusern in der Salzbrunner Straße hinter dem neuen Pflegeheim der AWO – von der Planung bis zur Umsetzung auf der Baustelle.

„An meinem Job gefällt mir besonders die Mischung aus Büroarbeit und Unterwegssein“, sagt sie. Auf Phasen am Schreibtisch mit Ausschreibungen, Plänen und Detailarbeit folgen Termine vor Ort, Abstimmungen mit Firmen und Gespräche auf der Baustelle.

In Verhandlungsrunden und besonders auf Baustellen erlebt sie häufig, dass sie die einzige Frau unter vielen Männern ist. „Ich finde schon, dass man sich am Anfang vielleicht ein bisschen mehr beweisen muss als männliche Kollegen“, sagt sie. Mit der Zeit hat sie sich ein gewisses Auftreten angeeignet, zu dem für sie auch Kleidung gehört, in der sie sich auf der Baustelle wohlfühlt: bei jedem Wetter eine lange Hose, ein neutrales Shirt und eine Umhängetasche statt der klassischen Handtasche. Allgemein müsse man in dem Beruf, vor allem in der Funktion der Bauleitung, taff sein und den Ton angeben können, verrät sie. Auch ihren Perfektionismus musste sie ein bisschen ablegen: „Es läuft nicht immer alles nach Plan, man muss flexibel bleiben und darf sich dadurch nicht verunsichern lassen.“

Bei der wbg schätzt sie besonders das Vertrauen und die Verantwortung, die ihr entgegengebracht werden. Als Teilzeitkraft sei es bei anderen Arbeitgebern nicht immer selbstverständlich, eigene Projekte zu leiten und nicht nur Zuarbeit zu leisten: „Hier wird man von Anfang an wertgeschätzt“. Aspekte, die es ermöglichen, ihre Rolle als Mutter und Architektin miteinander zu verbinden.

Evgeniya Ruseva:
„Wir müssen uns nicht verstellen, um ‚männlich‘ stark aufzutreten“

Seit über sieben Jahren ist Evgeniya Ruseva bei der wbg Nürnberg im Bauträgerbereich tätig. Zunächst arbeitete sie dort als Projekt- und Bauleiterin und betreute unter anderem die ersten Förderhäuser in Kornburg. Vor zweieinhalb Jahren wechselte sie dann in ihre neue Rolle und beschäftigt sich seitdem vor allem mit der Projektvorbereitung von Bauträgerobjekten. Sie koordiniert Fachplaner, stimmt sich mit Behörden ab und begleitet die zahlreichen Schritte, die notwendig sind, bevor ein Projekt umgesetzt werden kann. „Ich genieße es, neue Aufgaben übernehmen zu dürfen und mich weiterzuentwickeln“, sagt sie.

Architektur faszinierte sie schon immer: die Gestaltung von Räumen, die Verbindung von Ästhetik und Funktion sowie die Frage, wie aus einer Idee ein fertiges Gebäude entsteht. Besonders motivierend ist für sie das Ergebnis eines Projekts. „Am Anfang stehen ein leeres Grundstück, erste Gedanken, Budgets und Abstimmungen; und irgendwann steht ein Gebäude, in dem Menschen leben oder arbeiten. Das ist sehr erfüllend.“

Für ihren Beruf sind aus ihrer Sicht strukturiertes Arbeiten, klare Kommunikation und selbstbewusstes Auftreten besonders wichtig. Letzteres entstehe nicht von allein, sondern durch gute Vorbereitung, Zielorientierung und natürlich mit zunehmender Erfahrung, erklärt sie.

Dass Frauen in der Branche und vor allem in Führungspositionen noch immer seltener vertreten sind, findet sie sehr schade und sieht es zugleich als Motivation. Gerade deshalb sei es wichtig, dass Frauen sichtbarer werden und sich selbst mehr zutrauen: „Wir haben die gleichen Chancen wie Männer. Wir müssen uns nicht verstellen, um zum Beispiel auf der Baustelle ‚männlich‘ stark aufzutreten. Ein souveräner Auftritt gelingt durch ruhige fachliche und zielgerichtete Kommunikation.“ Evgeniya Ruseva findet es wichtig, dass junge Menschen authentische und ambitionierte Vorbilder im Berufsleben haben, keine perfekten.

Xiaohui Mann:
„Faires Miteinander – unabhängig von Person oder Geschlecht“

Xiaohui Mann zeigt, dass der Weg in die Baubranche nicht immer geradlinig verlaufen muss. Ursprünglich studierte sie in China Germanistik. Nach ihrem Umzug nach Deutschland mit Anfang 20 entschied sie sich für ein Studium der Innenarchitektur. Über verschiedene berufliche Stationen entwickelte sie sich weiter in Richtung Projektmanagement und arbeitet heute seit über vier Jahren bei der WBG KOMMUNAL als Projektleiterin von Bauprojekten im Bereich Kinder- und Bildungseinrichtungen. Derzeit betreut sie den Neubau der Grundschule Fischbach mit Kinderhort, Sporthalle und neuen Fachräumen sowie den Neubau einer Sporthalle mit neuen Freisportanlagen in Wetzendorf.

Gerade die Vielseitigkeit der verschiedenen Bauprojektphasen begeistert sie: von der ersten Idee über Planung, Genehmigung und Bauausführung bis zur Fertigstellung und Inbetriebnahme. Am Anfang steht häufig nur ein Grundstück und die Frage: Was wird hier gebraucht? Danach folgen Raumprogramme, Abstimmungen mit der Stadt Nürnberg, Vergabeverfahren, Fachplanungen, Bauausführung und schließlich die Übergabe. „Das Projekt meist über mehrere Jahre wachsen zu sehen, ist schon sehr spannend“, sagt sie.

Jedes Bauprojekt bringt neue Herausforderungen durch verschiedene Grundstücke und Anforderungen mit sich. Entscheidend seien Verantwortungsbewusstsein, ein umfassendes technisches Verständnis für die beteiligten Fachbereiche und die Bereitschaft, auch kurzfristig kreative Lösungen zu finden.

Die größere Herausforderung sieht sie in der Rolle als Bauherrenvertretung: Interessen vertreten, Kosten und Termine im Blick behalten, Entscheidungen einfordern und auch einmal etwas zurückweisen. Dafür brauche es Souveränität, Verantwortungsbewusstsein und Durchsetzungsfähigkeit. „Das entsteht durch ein faires Miteinander und Sachlichkeit, unabhängig von Person oder vom Geschlecht“, erklärt sie.

Text: Meike Schulig

Fotos: Julian Wachtler