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Die blaue Oase im Herzen von Langwasser

Fotos: Jörg Fritsch, Julian Wachtler

Vor 40 Jahren wurde der Langwassersee angelegt 

Am Ufer stehen und übers Wasser schauen, während eine sanfte Brise die Baumwipfel wiegt… Das geht, dank einer Ausgleichsmaßnahme zur Bebauung, mitten in Langwasser. Vor 40 Jahren ließ die wbg hier den Langwassersee anlegen.

Das langgezogene Gewässer inmitten von sechs Hektar Wald ist Naherholung pur und nicht mehr wegzudenken aus Langwasser. Jörg Fritsch, der 1986 in den Stadtteil zog und viele Jahre im Bürgerverein aktiv war, erinnert sich an die Anfänge: Bagger verschoben große Massen Erdreich auf dem Gelände, das einstmals „bey der düren Stange“ hieß, und in und nach beiden Weltkriegen Übungsplatz fürs Militär war, sie gruben eine tiefe Rinne und schichteten Steine für Sitzgelegenheiten am Ufer. Mitten im Schlamm baute der Keramikkünstler Klaus Schultze aus Beton, Steinen und farbigen Fliesen die noch heute bestehende Skulptur „Das Paar“. „Einmal ist er vom Gerüst gefallen“, erzählt Fritsch.

In den ersten Jahren konnte man im See, der 10.000 bis 14.000 Kubikmeter Wasser (umgerechnet  60.000 Badewannen) fasst, sogar noch schwimmen. Doch Nachschub kommt nur durch Regen und einen Abzweig des Langwasser-Bachs, die Wasserqualität hat abgenommen. Baden und auch Angeln ist verboten.

Aber spazieren gehen und sich ausruhen, Vögel beobachten und die Lunge mit frischer Luft füllen, diese Gelegenheit nutzen viele. Die Wege um den 275 Meter langen und bis zu drei Meter tiefen See und die beiden Brücken, die ihn überspannen, sind stark frequentiert. Senioren aus dem nahegelegenen Altenheim, Schüler der Bertolt-Brecht-Schule und Bewohner nicht nur des Dichterviertels genießen das Stück Natur vor der Haustür. Im Sommer ist es dort zudem einige Grad kühler als in der heißen Stadt. 

Regelmäßig dreht Jörg Fritsch seine Runde um den See, dabei gesellt sich zur Freude am üppigen Grün auch Enttäuschung. Denn beim Gassigehen sammeln nicht alle Herrchen die Hinterlassenschaften ihrer Hunde ein, und Einkaufswagen, E-Roller und Müll werden in den See geworfen. Schade.

Dabei könnte es so schön sein, idyllisch geradezu. Sogar Seefeste wurden am Hermann-Thiele-Weg  gefeiert: In den 1990er Jahren unter Regie des Bürgervereins, zwischen 2010 und 2016 organisierten der Arbeitskreis Langwasser-Nord und das BRK die Feiern. Dann wurden die behördlichen Auflagen zu hoch. So viel los ist inzwischen nur noch im Winter: Wenn der See gefriert, drehen Schlittschuhläufer ihre Runden.

Ein stiller, natürlicher Magnet ist der Langwassersee jedoch zu allen Jahreszeiten: Happy Birthday! 

Text: Gabriele Koenig